Manillio

Rapper


© Mirjam Kluka

manillio.ch

 

Manuel Liniger, 28, besser bekannt als Manillio, hat schon mit seinem ersten Album «Jede Tag Superstar» aus dem Jahr 2009 eine ganz eigene Linie vorgespurt. Oder sagen wir mehrere: Irgendwo zwischen coolem Grossstadt-Duktus und Kleinstadt-Stolz, zwischen Sonnenbrillenträger und durch-die-Nebelwand-Wanderer, irgendwo zwischen nachdenklichem Poet und Rapper ohne Furcht und Tadel waren seine spektakulär rhythmisierten Zeilen und Silben – manchmal langgezogen wie der Käse an der Fonduegabel – schon damals.


«Irgendwo» setzte dann 2013, nach einer intensiven Phase im Verbund mit seiner Crew, der Battlerap- und Wortspiel-Scharf- und Tiefschützen von Eldorado FM, ein noch klareres Zeichen: Hier ist jemand bereit, Mundartrap für sich selber neu zu definieren.

 

«Irgendwo», eingestiegen auf Platz 6 der Schweizer Albumcharts, war wie ein Film aus zusammengesetzten Momentaufnahmen. Ein Bericht aus einer Zeit zwischen den Zeiten. Ein nachdenklicher, hochmodern produzierter Generationsblick aus dem Zugfenster.


Auf seinem Drittling «Kryptonit» steckt der Solothurner mit Zürcher Wohnsitz die Grenzen nochmals viel, viel weiter ab. Das Album, grösstenteils produziert von seinen Hausproduzenten Sir Jai und Ruck P, ist mal sattes Rap-Statement, mal pures Entspannungsgefühl, mal Wut und Anspannung, mal Kontemplation, oft Reflektion, immer wieder auch Parabel. Aber statt sich in dieser auch musikalisch vollzogenen Vielseitigkeit zu verlieren, findet er dadurch mehr zu sich, wie es scheint. Es ist in seiner Vielseitigkeit und Verschiedenheit ausgesprochen rund.

 

Gleichzeitig beherrscht Manillio etwas, was nur wenige beherrschen. Er kann ein Thema skizzieren, sich ihm annähernd, einen Rahmen für eine Geschichte bilden, ein Haus so möblieren, dass sich jeder selber darin zurechtfindet. Oder anders gesagt: Er malt Bilder, die jedem seine Deutung lassen, in jedem leicht andere Assoziationen wecken.

 

Film

  • Moonrise Kingdom – Wes Anderson (2012)
  • Somewhere – Sofia Coppola (2010)
  • City of God - Fernando Meirelles, Kátia Lund (2002)

Musik

  • MTV Unplugged – Jay-Z (2001)
  • In Search Of - N*E*R*D (2001)
  • Esperanto – Freundeskreis (1999)

Sendung

  • A Waste of Time - ItsTheReal
  • F*ck Thats Delicious - Viceland