1. Warum eine Revision?

Seit über zehn Jahren verteilt SWISSPERFORM die Vergütungen aus Leistungsschutzrechten nutzungsbezogen an die Berechtigten (Schauspieler, Musikerinnen, Tänzer, Sprecherinnen, Komiker). Basis ist das aktuelle Verteilreglement, an welchem immer wieder punktuelle Anpassungen vorgenommen wurden (z.B. bei Änderungen des Urheberrechtsgesetzes). Gestützt auf Anregungen und Optimierungsvorschläge von Mitgliedern sowie unter Berücksichtigung von Anpassungen auf Grund der Rechtsprechung der letzten Jahre (insbesondere im Bereich Filmmusik) und Anpassungen an das internationale Umfeld (hautsächlich im Hinblick auf die Verhandlung von neuen Gegenseitigkeitsverträgen) wurde das Verteilreglement für die Ausübenden umfassend revidiert.

 

Das revidierte, vom IGE genehmigte Reglement findet sich hier auf unserer Webseite und tritt am 1. Januar 2018 in Kraft (mit Wirkung für die Einnahmen 2017).
 

2. Wesentliche Änderungen

a) Neuer allgemeiner Teil „Ausübende“

Im allgemeinen Teil finden sich Bestimmungen, über welche beide Fachgruppen („Ausübende Phono“ und „Ausübende Audiovision“) gemeinsam entscheiden. Dies sind Regeln über die Zuweisung von Einnahmen in die einzelnen Verteilbereiche als auch Bestimmungen betreffend Musik auf der Tonspur von audiovisuellen Werken – sprich der Filmmusik. Grundsätzlich gehört die Musik bei audiovisuellen Produktionen zum Bereich Audiovision – auch im internationalen Umfeld. Davon betroffen sind jedoch in erster Linie die Phonointerpreten (Musiker). Daher macht es Sinn, dass sich die Bereiche Phono und Audiovision gemeinsam über die Grundlagen einigen.

 

Bei der Ausarbeitung dieses Teils wurde insbesondere die neuste Rechtsprechung betr. Integration von Handelstonträgern in Tonbildträger berücksichtigt. In Zukunft wird auch Musik ab Handelstonträger in audiovisuellen Produktionen angerechnet und die Filmmusik nach einheitlichen Regeln vergütet.

 

Dazu wird ein neuer Verteilbereich geschaffen und die Daten unter „Musik auf Tonbildträgern“ erfasst. Die Grundzüge werden, wie oben erwähnt, von beiden Fachgruppen im allgemeinen Teil geregelt. Die effektive Verteilung wird jedoch im Phonobereich gelöst, wo bereits viele Daten betreffend Musiktitel und involvierten Interpreten vorliegen.

 

Zudem können in diesem Teil einige Regelungen einheitlich formuliert werden, die auf beide Fachbereiche zutreffen.

 

Gegenüber dem aktuellen Reglement wird die Tonspur (Musik und Synchronisation) bei Tonbildträgern höher gewichtet. Aktuell werden je 1/8 für Ton- und Sprachspur ausgeschiedenen – neu ist je 1/5 vorgesehen.
Die Berechtigungen von Ausübenden an den einzelnen Tarifeinnahmen werden neu geregelt und es werden Anpassungen an internationale Standards bezüglich verschiedener Rechtekategorien vorgenommen. Dadurch wird einerseits eine bessere Basis für die Verhandlung von neuen Gegenseitigkeitsverträgen gelegt und anderseits besteht so die Möglichkeit, bei ausländischen Berechtigten Einschränkungen vorzunehmen, falls ein Land kein entsprechendes Gegenrecht gewährt bzw. keine entsprechenden Vergütungen an SWISSPERFORM-Mitglieder überweist.

b) Änderungen im Bereich Phono

Im Phonobereich wird die Verteilung der Vergütungen aus der Nutzung  von Handelstonträgern und Musikvideos überarbeitet. Im Fokus stehen mögliche Vereinfachungen und internationale Kompatibilität. Zudem wird der „Artistic Producer“ neu als Berechtigter in die Verteilung aufgenommen.

c) Änderungen im Bereich Audiovision

Auch im Audiovisionsbereich werden Anpassungen an internationale Standards vorgenommen. Eine Gewichtung der Schauspielerleistungen (nach Drehtagen) wird eingeführt und die Synchronsprecher werden neu in die Schauspielerverteilung integriert.

d) Verteilbereiche „nicht im Handel erhältliche Tonträger und Livedarbietungen“ (Phono) & „übrige audiovisuelle Darbietungen“ (AV), Verteilung mit Meldesystem

In diesem Bereich wird das System der Nachverteilung umgestaltet. Bereits im Jahr nach der Hauptverteilung soll eine erste Nachverteilung möglich sein. Dies hat den Vorteil, dass Nachzahlungen an Berechtigte, welche den ersten Meldetermin verpasst haben, früher abgerechnet werden können.

e) Harmonisierung der Bereiche Phono und Audiovision

In diesen beiden Bereichen ist es offensichtlich, dass die Reglemente nicht zur gleichen Zeit entstanden sind. So wurden beispielsweise die Verteiltöpfe im Bereich Phono nach Genres und im Bereich Audiovision nach Formationsgrösse gebildet. Hier wird neu in beiden Bereichen auf das Kriterium Formationsgrösse abgestellt und die Terminologie vereinheitlicht.

3. Übersicht der Verteilbereiche Ausübende

(1) Verteilung Handelstonträger und Musikvideos (Radio- und TV-Nutzungen)

Diese Verteilung funktioniert nach einem automatischen System. Es werden berücksichtigt:

  • Musik ab Handelstonträger (Radio-Nutzungen)
  • Musik in Videoclips (TV-Nutzungen)

(2) Verteilung Musik auf Tonbildträgern (TV-Nutzungen)

Diese Verteilung funktioniert sowohl nach dem Meldesystem als auch einem automatischen System (je nach TV-Sendung). Es werden berücksichtigt:

  • Musik (Scoremusic) auf der Tonspur von Tonbildträgern
  • Musik ab Handelstonträger auf der Tonspur von Tonbildträgern
  • Musik ab nichtkommerziellen Tonträgern (Library-Music) auf der Tonspur von Tonbildträgern
  • Musik in TV-Spots, Signete

(3) Verteilung nicht im Handel erhältlicher Tonträger und Livedarbietungen (Radio-Nutzungen)

Diese Verteilung funktioniert nach dem Meldesystem. Es werden berücksichtigt:

  • Konzertübertragungen
  • Eigenaufnahmen der Radio-Sender
  • Sprecherleistungen sowie Musikdarbietungen bei Hörspielen
  • Sprecherleistungen sowie Musikdarbietungen in Werbespots, Jingles und Signeten
  • Darbietungen der Volkskunst

(1) Verteilung Darbietungen in Spiel- und Fernsehfilmen (TV-Nutzungen)

Diese Verteilung funktioniert nach einem automatischen System. Es werden berücksichtigt:

  • Darsteller in Filmen, Serien und Sitcoms
  • Synchronsprecher in Filmen, Serien, Sitcoms und Zeichentrickfilmen

 

(2) Verteilung übrige audiovisuelle Darbietungen (TV-Nutzungen)

Diese Verteilung funktioniert nach dem Meldesystem. Es werden berücksichtigt:

  • Konzertübertragungen, Theater-, Kabarett- und Tanzproduktionen
  • Künstlerische Darbietungen in TV-Shows oder ähnlichen Formaten
  • Tanz und Schauspielerleistungen in Videoclips
  • Schauspielerleistungen in TV-Spots, Signeten
  • Sprecher und Synchronsprecher in Dokumentarfilmen oder Beiträgen mit Dokumentarfilm-Charakter
  • Sprecher und Synchronsprecher in TV-Spots, Signeten
  • Darbietungen der Volkskunst

 

 


4. Inkrafttreten

Die neuen Verteilregeln treten am 1. Januar 2018 in Kraft und gelten dann für die Verteilung der Einnahmen des Jahres 2017.

5. Was müssen Sie tun?